Juli 2016

Drehbare Sternkarte für den Schulgebrauch, 1908 

Schon die Griechen der Antike fertigten genaue Zeichnungen vom Sternenhimmel an, mit denen sie den Stand der Gestirne im Voraus bestimmen konnten. Ihre Aufzeichnungen ermöglichten es, im Abgleich mit dem Sternenhimmel den Tag, die Stunde und die geographische Lage jedes Betrachtungsstandpunkts innerhalb der damals bekannten Welt zu ermitteln. Als praktische Hilfsmittel konstruierten die Griechen bewegliche Apparate, an denen die Konstellation der Sterne eingestellt und die Ergebnisse abgelesen werden konnten. Zu diesem Zweck gebaute dreidimensionale Systeme heißen „Armillarsphären“. Daraus wurden später die „Astrolabien“, scheibenförmige Karten mit Einstellringen, Skalen und Zeigern, entwickelt.
Eine vereinfachte Version davon ist die „Drehbare Sternkarte“. Richtet man sie liegend an den Himmelsrichtungen aus und stellt mit dem drehbaren Ring Tag und Stunde ein, dann gibt sie die aktuelle Lage des Sternenhimmels wieder. Als weitere Informationen zeigt sie mit entsprechender Voreinstellung die Sternbilder, den „Scheinbaren Sonnenlauf“, den „Scheinbaren Mondlauf“ und den Planetenlauf.
Zur Stärkung der naturwissenschaftlichen Bildung im deutschen Kaiserreich versorgten Lehrmittelhersteller die Schulen mit passenden Materialien, auch zur Astronomie. Der „Geographisch-astronomische Verlag Adolf Mang“ in Stuttgart war auf solche Artikel spezialisiert. Von ihm stammt eine Drehbare Sternkarte für Schulen, die heute Teil der Diezer Museumssammlung ist. Bei aller Wissenschaftlichkeit des Geräts wurde auch darauf geachtet, es mit geprägten, modernen Jugendstilornamenten in Gold zu verzieren. Auch sonst mangelte es der Herstellerfirma nicht an Begeisterung für ihr Fach. So heißt es auf der Rückseite als Reklame für weitere Produkte, sie führten „die wissbegierige Jugend und jeden Freund der Sternenwelt in leichtfasslicher, genussreicher Weise tiefer in die Hauptlehren der Himmelskunde ein und werden dieser erhabensten Wissenschaft im Raum gewiss viele begeisterte Verehrer zuführen.“