Juli 2016

Modellkommode mit drei Schubladen, Mitte 18. Jahrhundert

Das Magazin des Museums beherbergt u.a. eine Sammlung von Kinderspielsachen, zu der Puppenstuben, Kaufmannsläden und ähnliche Dinge gehören. Diesem Sammlungsteil wurde bisher auch eine nur 22 cm hohe Kommode mit drei Schubladen im Stil des späten Barock zugewiesen. Tatsächlich lässt das Miniaturformat auf den ersten Blick an ein Spielzeug denken.

Bei näherem Hinsehen aber fällt auf, dass die Kommode trotz ihrer winzigen Größe nicht etwa in vereinfachter Form, sondern auf genau die gleiche Art konstruiert wurde, wie ein Exemplar der Barock- / Rokokozeit in voller Größe. Sie besteht aus mehreren Schichten von Blindholz, worauf als sichtbare Oberfläche ausgesuchte, gesägte Furnierblätter aus Nussbaumwurzelholz in gespiegelter und gekreuzter Anordnung („Kreuzfuge“) aufgeleimt wurden. Die geschwungenen Kanten der Deckplatte und die Fronten der mit Schwalbenschwanzzinken verbundenen Schubladen bestehen aus passend ausgewählten, angesetzten Vollholzprofilen. Auch die asymmetrischen Bronzebeschläge mit Ringen zum Herausziehen der Schubladen entsprechen den Vorbildern großer Möbelstücke, sind aber nicht allzu detailliert ausgearbeitet.

Insgesamt wird deutlich, dass diese Kommode auf eine selbst für gute Puppenstuben viel zu aufwändige Art angefertigt wurde. Vor allem die auf Belastbarkeit und das Vermeiden von Rissbildung angelegten Konstruktionsdetails wären für das kleine Format nicht nötig gewesen. Es kann sich daher nur um ein Modellmöbel handeln, das dazu diente, Machart und Typus einer Kommode in Normalformat zu zeigen. Möglicherweise war es auch eine Vorstufe zu einem Meisterstück. Leider sind zu Herkunft und Funktion dieses Exemplars keine Informationen überliefert.