Juni 2015

Polizeihelm, um 1910

Dank einer Schenkung von den Erben des langjährigen Diezer Polizisten Wilhelm Sommer (1877-1972) ist die Museumssammlung um einige interessante Objekte reicher. Neben dem Sommerschen Familienbuch und einem Emailschild mit der Aufschrift „Polizeisergeant“ handelt es sich um einen „Helm mit Spitze“ der preußischen Polizei, bekannter als „Pickelhaube“.

Die Pickelhaube ist vor allem als Militärhelm bekannt. Sie wurde ab 1843 in der preußischen Armee verwendet und besteht meist aus dickem Leder mit Metallbeschlägen. Der namensgebende, mehr oder weniger spitze Messing- oder Stahlaufsatz in der Helmmitte hatte die Aufgabe, von oben kommende Säbel- und sonstige Blankwaffenstreiche nach der Seite abzulenken. Dadurch verlor ein Schlag seine gefährliche Wucht. Traf aber ein seitlicher Schlag die Spitze, dann drohte der Helm zu verrutschen oder gar vom Kopf zu fallen, wenn er nicht durch den fest geschlossenen Kinnriemen gesichert war. Kaum weniger auffällig als die Spitze ist das große, bronzierte Adlerrelief auf der Stirnseite. Als Hoheitszeichen wies es den Helmträger als Mitglied der preußischen Polizei (bzw. des Militärs) aus, zugleich panzerte es die Stirngegend. Die hoheitliche Bedeutung schützte es nicht davor, im Volksmund despektierlich als „Schwungrad“ bezeichnet zu werden.
Der Träger des Helms, Wilhelm Sommer, genannt „Hanjer“, gehörte vor und nach dem Ersten Weltkrieg zur Preußischen Polizei in Diez, zuletzt als Hauptwachtmeister. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte er, nachdem er in der französischen Besatzungszeit einen der Vergewaltigung überführten Besatzungssoldaten bei einer Auseinandersetzung getötet hatte und im nachfolgenden Gerichtsverfahren freigesprochen wurde.
Wilhelm Sommer lebte 95 Jahre in Diez und ist einigen Älteren sicherlich noch als Diezer Original in Erinnerung.