März 2015

Robert Baltzer, Allegorie des Krieges, verm. 1940er Jahre

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für alle Deutschen einen Neubeginn, ob sie das Kriegsende nun als Erlösung von der Nazityrannei oder als Niederlage empfunden hatten. Die Meisten wollten mit der alten Zeit schnell abschließen, um ihre Kräfte dem schwierigen Alltag widmen zu können. Nur wenige setzten sich schon früh kritisch mit der Nazizeit und ihren Folgen auseinander. Das gilt auch für Literatur und Kunst. Zu den wenigen wirklich drastischen literarischen Beispielen dieser Jahre gehören Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ und Gert Ledigs Roman „Vergeltung“ über einen Bombenangriff auf eine deutsche Stadt. In Malerei und Plastik wurde vor allem die zuvor als „entartet“ verbotene Klassische Moderne nachgeholt, daneben gab es als weitere Form der Vergangenheitsbewältigung das Thema „Verletzung und Zerstörung“ in figürlichen Darstellungen. Um zu viel an grausamer Direktheit zu vermeiden, wurde manches in der traditionell-verschlüsselten Gattung der Allegorie zum Ausdruck gebracht.
Der Diezer Architekt und Maler Robert Baltzer (1880-1960) setzte sich auf diese Art in einer Tuschzeichnung mit dem Schrecken des Krieges auseinander. Es ist zu vermuten, dass das undatierte Blatt in den frühen bis mittleren 1940er Jahren, also um die Zeit des Kriegsendes herum, entstand. Aus dieser Zeit sind mehrere Blätter Baltzers mit apokalyptischen Themen erhalten.
Die Zeichnung zeigt inmitten von Häuserruinen die auf einer ausgebrannten Giebelwand sitzende Figur des Todes als Krieger, der mit ausgestrecktem rechten Arm eine Fackel über ein ländliches Gebiet hinweg hält. Die Botschaft ist leicht verständlich: Der apokalyptische Krieger sendet die Brandfackel des Todes über das Land –  in einer Geste, die ein wenig an den über Jahre hinweg verpflichtenden Hitlergruß erinnert.
Ende März jährt sich zum 70sten Mal das Kriegsende in unserer Region. Das Museum im Grafenschloss möchte den dramatischen Ereignissen dieser Zeit mit einer Reihe von monatlichen Objekten gedenken. Vorschläge für passende Leihgaben werden gerne entgegengenommen.