Mai 2015

Frankfurter Presse vom 3. Mai 1945

Sobald amerikanische Truppen Ende März 1945 in Frankfurt und auch in unsere Region eingezogen waren, begannen sie, das öffentliche Leben in die Hand zu nehmen. Zu den ersten Maßnahmen zählte die Kontrolle der Zeitungen. Aus den bestehenden Frankfurter Blättern wurde die „Frankfurter Presse“ ausgewählt, um nun unregelmäßig als „Alliiertes Nachrichtenblatt“ in einem Teil der amerikanisch besetzten Gebiete zu erscheinen. Zuvor war sie ein gleichgeschaltetes Rädchen in der eintönigen Presselandschaft des Dritten Reiches gewesen. Mit der alliierten Erstausgabe vom 21. April nun änderte sich ihr Charakter grundlegend. Pathos, Durchhalteparolen und plumpe Propaganda waren vorbei. Obwohl sie jetzt klarerweise alliierten Interessen diente und dramatische Ereignisse sich in den letzten Kriegstagen nur so häuften, sind ihre Artikel von Anfang an sachlich und differenziert und keineswegs bloß eine Fortführung des alten Stils unter geänderten Vorzeichen.

Bereits die dritte Nummer vom 3. Mai 1945 vermeldete den (damals noch ungeklärten) Tod Hitlers und die Hinrichtung Mussolinis. Man kann sich leicht die prahlerische und höhnische Sprache vorstellen, in der die nationalsozialistische Presse den Tod ihrer wichtigsten Feinde, Stalins oder Churchills etwa, kommentiert hätte. Zum Tod Roosevelts im Februar 1945 hatte sie gerade erst eine Kostprobe davon gegeben. Ganz anders aber das „Alliierte Nachrichtenblatt“: Ohne eine Spur von Triumphgefühl geben die Nachrufe auf der Titelseite einen nüchternen Rückblick auf den Werdegang der beiden gescheiterten Diktatoren. Sie analysieren das Geschehene und ziehen ein sachliches Fazit – auch über das Versagen der „Kulturvölker der Erde“, die aus „Mangel an Vorstellungskraft“ viel zu spät gegen die Verbrechen der totalitären Regimes vorgegangen seien.

Mit den beiden Artikeln gab die amerikanische Besatzungsmacht den deutschen Zeitungslesern ein lange nicht mehr gekanntes Beispiel an Qualität und kritischer Objektivität des Journalismus. Ihre Analyse hat auch heute noch ohne Einschränkung Bestand.

Wir zeigen Nummer 3 der „Frankfurter Presse“ anlässlich des 70sten Jahrestages des Kriegsendes.