Mai 2016

Nägel aus Stuckaturen im Schloss Oranienstein

Wer sich barocke Stuckarbeiten im Schloss Oranienstein oder andernorts anschaut, kann nur die kunstvoll geformten, manchmal bemalten oder vergoldeten Oberflächen wahrnehmen. Hier ragen Arme, Beine, üppige Brüste, Blumen und Ziergebilde oft sehr plastisch aus der Fläche heraus und ergeben den für die Kunst dieser Zeit so typischen Eindruck von Bewegtheit und Schwung. Die darunter liegenden Hilfskonstruktionen und Armierungen aus Materialien, wie  Holz, Schilfrohr, Stroh, Leinen oder Eisen, aber bleiben unsichtbar. Sie dienen nur als Unterbau zum Auftragen des Stuckmörtels oder als Anbindung für an Wänden oder Decken zu befestigende, vorgefertigte Teile. Durch die Kombination der unterschiedlichen Materialien reagieren Stuckarbeiten  empfindlich auf Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und Gebäudebewegungen. Risse und Fehlstellen sind die Folge, Restaurierungen werden notwendig.
Bei Restaurierungsmaßnahmen an Stuckaturen im Schloss Oranienstein wurde in den späten 1970er Jahren ein Teil der originalen Materialien ersetzt. Zum anfallenden Bauschutt gehörten geschmiedete  Eisennägel aus der Zeit nach 1700, die schon für sich genommen interessante Objekte sind. Bei Längen zwischen 9 und 14 cm ist jedes Exemplar ein Unikat, zu dessen Herstellung einiges an körperlicher Arbeit und Geschick nötig war.
65 Stück dieser Nägel nahm der ehemalige Presseoffizier in Oranienstein, Eugen Klein, damals mit nach Hause. Seine Witwe Helga Klein hat sie kürzlich freundlicherweise dem Museum überlassen.
Das Museum im Grafenschloss zeigt die Nägel als Objekt des Monats, auch im Zusammenhang mit seinem Angebot am Internationalen Museumstag, Sonntag, dem 22. Mai. An diesem Tag  werden Ricarda und Tilman Holly, Restauratoren und Partner der Diezer Museen, ab 14.00 Uhr Schadensbefunde und Restaurierungsmaßnahmen an beschädigten Kunstwerken demonstrieren.