September 2015

Poesiealbum des Architekten C.C.W. Sckell, 1773

Die vor wenigen Tagen angenommene Schenkung eines in Diez aufgefundenen, prächtigen Poesiealbums der Rokokozeit gibt vorläufig noch einige Rätsel auf, die wir hoffen, bald, vielleicht mit Hilfe der Leser,  klären zu können.
Es geht um ein querformatiges Buch mit 450 nummerierten Seiten und einem kurzen Verzeichnis der Einträge. In Lederdecken mit vergoldeten Ornamenten eingebunden, trägt es auf der Einbandmitte die Initialen C.C.W.S. Nach einem wild marmorierten Vorsatz und einem leeren Zwischenblatt folgt ein reich bemaltes Deckblatt, das Auskunft über den Eigentümer gibt. Inmitten eines barocken Schlossaales sieht man darauf Pallas Athene als Schirmherrin der Künste und Wissenschaften, umgeben von Winkel, Zirkel, Maßstab, Bücher, Palette und Globus als Symbolen für ihre Fachdisziplinen. Mit der rechten Hand weist sie auf eine von einem üppigen Zierrahmen („Kartusche“) umgebene Schrifttafel. Deren Inschrift lautet: „Dem Schätzbaren Andencken Seiner hoch und werthgeschätzten Gönner und Freunden weyhet diese Blätter C.C.W. Sckell, der Baukunst und Matem. Befl. aus Dillenburg – Gießen 1773“.
Es ist anzunehmen, dass C.C.W. Sckell Mitglied der großen Sckell-Familie war, die über Jahrhunderte hinweg eine ganze Reihe von einflussreichen Architekten und Gartenarchitekten hervorgebracht hat, darunter Clarus Friedrich Ludwig Sckell (1750-1823), den Architekten u.a. des Englischen Gartens in München und des Oraniensteiner Schlossgartens. Der Jahreszahl des Albums zufolge war er ein Zeitgenosse des noch rätselhaften C.C.W.
Die Seiten des Buchblocks enthalten in lockerer Folge die in Poesiealben üblichen tugendsamen Mahnungen, Reime und Abschiedsgrüße in deutscher, lateinischer und französischer Sprache, abgefasst zumeist in Gießen von Professoren und Studenten. Daraus wird deutlich, dass Sckell in den Jahren um 1773 Student war.