Archiv

Die Archivseite zeigt einen unvollständigen Rückblick auf die Sonderausstellungen der vergangenen Jahre.

 

Sonderausstellung „Expedition Custine“, Februar bis April 2020

„Expedition Custine – Rheinland-Pfalz, Hessen und die gescheiterte Freiheit 1792/93“

Die Französische Revolution findet sich noch heute in jedem Schulbuch. Doch wenig bekannt ist, dass sie im Herbst 1792 auch Diez und die Lahn erreichte, als der französische General Custine mit 19.000 Mann vom Elsaß kommend bei Mainz den Rhein überschritt und für wenige Wochen die Losung „Freiheit und Gleichheit“ bis in den Taunus brachte. Frankreich war gerade Republik geworden, und auch viele deutsche Revolutionsanhänger hofften auf ein neues Zeitalter. Doch es kam anders: Custine mußte seine Soldaten mit barer Münze bezahlen und ließ gerade im Taunus die Ämterkassen plündern und die Fürsten von Weilburg und Braunfels brandschatzen. Schnell nannte man ihn den „Freiheitsschwindler“. Nach fünf Wochen bereits musste sich Custine wieder auf die andere Rheinseite zurückziehen, als preußische und hessische Verbände über die Lahn gelangten. Währenddessen veränderte die Revolution auch in Paris ihr Gesicht – vom liberalen Aufbruch hin in die Schreckenszeit der Jakobiner und Robespierre. Für Mainz und die besetzten Gebieten von Rheinhessen und Rheinpfalz galt nun die Forderung aus Paris, die Region Frankreich anzuschließen – mittels „Wahlen“, deren vorgegebenes Ergebnis unbedingt einzuhalten war. Im Juli 1793 musste das Revolutionsheer sich wieder hinter die französischen Grenzen zurückziehen – und Custine wurde in Paris wegen „wegen Erfolglosigkeit“ zum Tode durch die Guillotine verurteilt.“

 

Die Ausstellung wurde von dem Kurator Dr. Dr. Mark Scheibe, dem ehrenamtlichen Geschäftsführer der Historischen Kommission für die Rheinlande 1789-1815, konzipiert und ausgearbeitet. Sie war zuletzt in Kirchheimbolanden zu sehen.

 

Adam Pilippe Custine (1740-1793), Kupferstich, um 1793

Durch die militärischen Erfolge Custines ab Ende September 1792 fand sein Porträt großen Absatz.

 

Jean Nicolas Houchard (1739-1793), Kupferstich, um 1793

 

Einpfünder-Falconettekugel, um 1792, Eisen

Solche Kugeln wurden zum gezielten Töten feindlicher Offiziere eingesetzt. Houchard erhielt einen Treffer, der sein Gesicht stark entstellte.

 

Uniformrock eines französischen Nationalgardisten (Füsilier) der Zeit um 1792/93, Rekonstruktion nach historischem Vorbild

 

Trommel und Infanteristenschuh der gleichen Epoche

 

Ortseingangsschild von Mainz (?), Kirschholz mit Eisenbeschlägen, um 1792/93

Das Schild war ursprünglich mittels dreier Eisennägel an einem Pfosten befestigt. Es hat zwei Durchschüsse mit Bleispuren und trägt zwei Einritzungen politschen Inhalts: „Mort aux tyrans“ („Tod den Tyrannen“) und „Vivons libre, soutenons nos droits et buvons du meilleur. Voltaire“ („Wir leben frei, bewahren unsere Rechte und trinken vom Besten. Voltaire“).

 

Porträts Mainzer Bürger, wohl 1792/93, Gouache

Auf einer der Rückseiten ist die Aufschrift „Deutsche Revolutionäre“ aufgebracht. Die Bilder wurden 2019 in Paris entdeckt und sind wohl Teil einer größeren Serie. Möglicherweise stehen sie im Zusammenhang mit dem vom Präsidenten der Mainzer Republik, Hofmann, im Sommer 1793 in Paris gegründeten Bureau des Refugés, in dem er Hilfe für Aktivisten der Mainzer Republik organisierte.

 

Fayence-Geschirr mit Revolutionsmotiven

Mit Beginn der Revolution im Jahr 1789 brach der Absatz an kunstvoll bemaltem Geschirr ab. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten szenische Motive aus der Bibel, aus der Lebenswelt des Adels oder florale Darstellungen vorgeherrscht. Um die Fayencen wieder verkaufen zu können, passten sich die Manufakturen dem Zeitgeist an und wechselten zu Revolutionsmotiven. Ein besonders makabres Beispiel ist die Rasierschale mit der Darstellung der Hinrichtung Ludwig XVI. auf der Guillotine. Dieses Bild konnten die Kunden der Barbiere sehen, während ihnen die Rasierklinge an den Hals gesetzt wurde.

 

Adam Philippe Custine, Aufruf an die gedrückte Menschheit in Deutschland.

Diesen viel zitierten Druck ließ Custine kurz nach der Einnahme von Mainz verbreiten. In ihm bot Custine an, dass die Einwohner der von ihm besetzten Gebiete die Wahl einer zukünftigen Regierungsform selbst treffen könnten. In den folgenden vier Wochjen stellte sich jedoch heraus, dass ein Großteil der Bevölkerung den Kurs der neuen Machthaber, die eine Übernahme der französischen Konstitution erhofften, nicht tragen wollte. Weihnachten 1792 erreichte Mainz die Nachricht aus Paris, dass die besetzten Gebiete in Rheinpfalz und Rheinhessen die französische Konstitution verpflichtend anzunehmen hätten, was zur Deportation Oppositioneller und in weiten Teilen der Region zu ausufernder Gewalt gegen die zögernde Bevölkerung führte.

 

Promis d’Horrors of the French INVASION, Kolorierter Kupferstich von James Gillray (1757-1815)

1792 war die Französosche Revolution in die Phase des „Terreur“, der sogenannten Schreckensherrschaft, übergegangen, deren Auswirkungen auch am Rhein zu spüren waren. In Kernfrankreich war diese Phase gekennzeichnet durch außerordentliche Gewalt des Staates gegenüber seinen Bürgern und Hinrichtungen zehntausender Menschen. Diese Phase endete mit der Hinrichtung Robespierres im Jahr 1794. Wie viele Nachbarn Frankreichs, hatte auch Großbritannien begründete Furcht vor einer Invasiion.

 

Guillotine

Ein solches Exemplar wurde bei Custines militärisch-politischer Unternehmung stets mitgeführt.

 

 

 

 

Einschließung von Mainz durch deutsche Reichstruppen. Kolorierter Kupferstich, 1793

 

Münzschatulle mit Mainzer Belagerungsgeld (Mai / Juni 1793)

Während der Belagerung von Mainz durch deutsche Reichstruppen wurden Münzen mit der Prägung „Siège de Mayence“ geschlagen, um der Münzknappheit in der belagerten Stadt zu begegenen.

 

Preußische Mörserbombe, um 1800

Solche Bomben wurden auch bei der preußischen Beschießung von Mainz ab 18. Juni 1793 eingesetzt.

 

Décret de la Convention Nationale, 30. März 1793

Am 3. März nahm die Pariser Nationalversammlung den Antrag des „Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents“ (der Abgeordnetenversammlung der Mainzer Republik) an, die von den Truppen Custines besetzten Gebiete in der Rheinpfalz und Rheinhessen an Frankreich anzuschließen. Der unter lautem Beifall der Pariser Abgeordneten gefasste Beschluss wurde am selben Tag nach Mainz geschickt. Da Mainz inzwischen von deutschen Truppen eingeschlossen worden war, erreichte diese Nachricht die Stadt und die dort verbliebenen Abgeordneten der Mainzer Republik nicht mehr.

 

 

Herbst 2019

Die Geschichte der Diezer Wohnbebauung

  • Wie hat sich die Stadt entwickelt?
  • Was sind die Besonderheiten der Stadt?
  • Welche Typen von Häusern gibt es?
  • Was waren die verwendeten Materialien?
  • Was ist von den früheren Bauphasen übrig geblieben?
  • und einiges mehr…

 

Herbst 2017

Mineralien aus Nassauischen Bergrevieren – verborgene Schätze aus der Diezer Museumssammlung

Vor mehr als hundert Jahren wurde für das damalige Diezer Heimatmuseum eine umfangreiche Sammlung von Mineralien angelegt. Mit wichtigen und prächtigen Belegstücken aus heute längst geschlossenen Erzgruben und Steinbrüchen repräsentierte sie den regionalen und überregionalen Nassauischen Bergbau. Durch die Schließung des Heimatmuseums in den 1990er Jahren verschwanden die Mineralien aus dem Blick der Öffentlichkeit. Sie sind nicht mehr Bestandteil der Dauerausstellung des Museums im Grafenschloss Diez.
Das Museum macht die alte Mineraliensammlung nach rund 20 Jahren im Magazin nun wieder für einige Wochen zugänglich. Ergänzt durch Leihgaben aus dem Museum Wiesbaden, dem Heimat- und Bergbaumuseum Esterau in Holzappel und aus privaten Sammlungen, bildet sie den Kern- und Schwerpunkt der am Tag des Geotops eröffneten Sonderausstellung.

 

Herbst 2016

Die Elektrifizierung aus lokaler Sicht

In der Ausstellung geht es nicht alleine darum, wann für wen welche Art von elektrischem Strom verfügbar war und wie die alten Anlagen und Geräte aussahen. Über das Technische hinaus wird auch ein Eindruck davon vermittelt, welches ungeheure Ausmaß an Veränderungen die Elektrifizierung für das Alltags- und Berufsleben bedeutete: Licht zu jeder gewünschten Zeit, Telegramm und Telefon, elektrische Apparate als Helfer in Haushalt und Landwirtschaft, neue „elektrische“ Materialien… Später kam die Elektronik, zunächst mit dem Radio, dann mit dem Fernseher und zuletzt mit Computer, Internet, Mobiltelefon und der Steuerung aller erdenklichen Vorgänge.

Darüber hinaus schuf die Elektrizität neue Berufe in der Produktion – etwa von Glühlampen – und in der praktischen Installation und Wartung. Für uns Heutige ist dies alles eine Selbstverständlichkeit. Aus der Sicht des Beginns der Elektrifizierung von vor rund 110 Jahren aber wäre es unsere Situation der Ausblick auf eine märchenhafte, kaum vorstellbare Welt der Zukunft gewesen.

 

Herbst 2013

Die Anfänge der Photographie im Raum Diez-Limburg

Die älteste lokal überlieferte Porträtaufnahme entstand um 1845, nur wenige Jahre nach Erfindung der Photographie. Einige Zeit später wurden schon systematisch Porträts von Diezer Bürgern angefertigt, sogenannte „Salzpapierbilder“, die als umfangreiche Sammlung erhalten sind. Weitere frühe Einzelstücke von Reisephotographen der 1850er Jahre, die frühesten Aufnahmen der Stadt Diez und Einblicke in die photographischen Pioniertechniken runden die Ausstellung ab. Wie gewohnt, wird auf Anschaulichkeit Wert gelegt. Sie können nach dem umgekehrten Bild auf der Mattscheibe einer alten Studiokamera suchen, mit dem Stereobetrachter Kopien von historischen Diezer Stereophotos anschauen und ausgesuchte alte Carte-de-visite-Photos in die Hand nehmen.
Als Begleitprogramm zur Sonderausstellung wurde im Sommer der museumspädagogische Programmbaustein „Cyanotypie – blaue Photographien bei Tageslicht selbst gemacht“ als Ferienaktion für maximal 10 Kinder durchgeführt. Die Aktion kann seither nach Absprache gebucht werden.