Objekt des Monats

 

Objekt des Monats

Als „Objekt des Monats“ werden bisher nicht in Ausstellungen berücksichtigte Gegenstände oder Dokumente aus dem Stadtarchiv, dem Museumsmagazin oder aus Privatbesitz vorübergehend im Museum gezeigt.
Falls Sie einen Vorschlag für ein zukünftiges Objekt haben, melden Sie sich bitte einfach telefonisch im Museum unter 06432-507467 oder über die Emailadresse leitung@museumdiez.de.

Texte, falls nicht anders ausgewiesen, von Alfred Meurer.

 

 

Juni 2019: Patent des Diezer Schiffers Georg Raab, 1855

Anfang der 1840er Jahre begannen Hessen, Nassau und Preußen mit gemeinsamen Anstrengungen zum Ausbau der Lahn als Verkehrsweg. Es ging vor allem darum, die Erze des Lahnreviers, Mineralwasser, Ge­treide, Kalk und Lahnmarmor zum Rhein zu bringen. Trotz des Baus zahlrei­cher Schleusen blieb die Lahn weiterhin ein schwierig, mit gerin­gen Ladungen und nur saisonweise befahrbarer Fluss.

Die Familie Raab, wohnhaft  im Diezer „Sack‟ an der alten Lahnbrücke, gehörte zu den Schifferfamilien, die vom Lahnausbau profitierten. Am 3. März 1855 wurde dem 28-jährigen Georg Raab ein Patent erteilt, das im Stadtarchiv vorliegt. Es gestattete ihm die „Ausübung der Schifffahrt auf dem Rhein von dem Punkte an, wo derselbe schiffbar wird bis in das Meer und zurück‟. Vorausgesetzt, dass er bereits über ein Patent für die Lahn verfügte, durfte er also von Diez bis in die Niederlande fahren. Wichti­ger Bestandteil des Patents ist – vor der Verbreitung der Photogra­phie – ein „Signalement‟, das die Erscheinung des Georg Raab be­schreibt: 5 Schuh, 6 Zoll groß, blond, mit runder Stirn, spitzer Nase, ova­ler Gesichtsform, gesunder Gesichtsfarbe etc.

Auch sein Schiff wird im Patent erwähnt. Es hieß Burg Ardeck No 1363 und konnte 1184 Centner laden. Weitere Raab-Schiffe hießen Victoria, Heinrich, Peterskirche und Carl. Die Kapazitäten lagen zwi­schen 654 und 1769 Centner, also nur bei rund 35 bis 90 Tonnen. Sol­che geringen Zuladungen waren nicht nur dem flachen Flussbett der Lahn geschuldet, sondern auch der kraftaufwendigen und langsamen Arbeit des Treidelns, bei der die Schiffe von Pferden mit Seilen vom Ufer aus gezogen werden mussten. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffe auf dem Rhein und dem Bau der Lahntalbahn bis 1862 gerieten die Treidel­schiffer sehr bald unter massiven Druck, dem sie nur kurze Zeit standhalten konnten.

Auch wenn die Lastschifffahrt auf der Lahn mit moderneren Schiffen sich noch bis in die 1970er Jahre halten konnte, so verlor sie doch bereits in den 1860er Jahren die Bedeutung, welche sie für sehr kurze Zeit durch den Lahnausbau gewonnen hatte.