Objekt des Monats

 

Objekt des Monats

Als „Objekt des Monats“ werden bisher nicht in Ausstellungen berücksichtigte Gegenstände oder Dokumente aus den Städtischen Sammlungen oder aus Privatbesitz vorübergehend im Museum gezeigt.
Falls Sie einen Vorschlag für ein zukünftiges Objekt haben, melden Sie sich bitte einfach telefonisch im Museum unter 06432-507467 oder über die Emailadresse leitung@museumdiez.de.

Texte, falls nicht anders ausgewiesen, von Alfred Meurer.

 

Mai 2022

Album mit Bildern von Diezer Opernaufführungen, 1930er bis 60er Jahre
Nach einer letzten Blütezeit in den Jahren um 1900 waren Opern und Operetten in Deutschland noch bis in die 1970er Jahre recht populär geblieben. Auch in kleineren Städten gab es gelegentlich Aufführungen. Die ursprünglich dem Adel vorbehaltene opera seria und weitere, auf das bürgerliche und einfache Publikum zugeschnittene Formen des Singspiels (opéra comique, opera buffa, Operette und später das Musical) hatten im 20. Jahrhundert durch Schallplatte und Radio längst den Weg in bürgerliche und kleinbürgerliche Schichten gefunden. Dadurch war ein breites Publikum mit einer ganzen Reihe von Arien und Ouvertüren vertraut, die zumeist im 19. Jahrhundert komponiert worden waren.
Eine zentrale Rolle bei der Organisation von Opernaufführungen und Konzerten in Diez spielte der Sänger und Dirigent Walther Lorenz. Einer Diezer Unternehmerfamilie entstammend – nach der noch heute die Lorenzstraße benannt ist – entschied sich Walther Lorenz für eine Ausbildung zum Opernsänger. Er war Dirigent mehrerer Chöre, darunter des gemischten Chors Concordia, und betätigte sich als Gesangslehrer. Schon in den 1930er Jahren begann er damit, Konzerte und Operninszenierungen in Diez, meist im „Hof von Holland“, zu organisieren. Nach dem Krieg setzte er diese Aktivität bis in die frühen 1960er Jahre hinein fort. Wie einem Fotoalbum mit Bildern von mehreren Aufführungen zu entnehmen ist, waren diese ziemlich prachtvoll. Außer einem Orchester mit Chor und ggf. einer Tanzgruppe gab es ein ausgefeiltes Bühnenbild und passende Kostüme aus dem Fundus eines Frankfurter Kostümverleihs. Die Orchester waren teils regional, teils überregional besetzt.
Eine wichtige Protagonistin der Aufführungen in Diez war die Sopranistin Toni Enders. Sie ist in dem Album, das möglicherweise aus ihrem Besitz stammt, unter anderem als Aida in ägyptischer Gewandung zu sehen.
Mit der zunehmenden Dominanz der amerikanischen und britischen Unterhaltungskultur ging die Popularität von Opern und Operetten und der klassischen Musik seit den 1960er Jahren immer weiter zurück. Aufwendige Operninszenierungen, wie zuletzt „Carmen“ 2018 im Autohaus Spies, sind inzwischen in Diez eine sehr seltene Ausnahme.