Objekt des Monats

 

Objekt des Monats

Als „Objekt des Monats“ werden bisher nicht in Ausstellungen berücksichtigte Gegenstände oder Dokumente aus den Städtischen Sammlungen oder aus Privatbesitz vorübergehend im Museum gezeigt.
Falls Sie einen Vorschlag für ein zukünftiges Objekt haben, melden Sie sich bitte einfach telefonisch im Museum unter 06432-507467 oder über die Emailadresse leitung@museumdiez.de.

Texte, falls nicht anders ausgewiesen, von Alfred Meurer.

 

Oktober 2021

Münzwaage, vor 1848
Vor fünfzig Jahren, 1971, schaffte Richard Nixon die Goldbindung des US-Dollars ab. Damit verabschiedeten sich die USA endgültig von der Überzeugung, nur die staatliche Garantie, Banknoten und Münzgeld jederzeit in Gold umtauschen zu können, sichere die Stabilität von Währung und Wirtschaft. In vielen Ländern war die Goldbindung schon in den beiden Weltkriegen aufgegeben und danach nur vorübergehend wiederhergestellt worden. Die Bewertung heutiger Währungen kommt ganz ohne Goldstandard aus und bemisst sich nach der Wirtschaftsleistung. Selbst auf diesen letzten Wertbezug verzichten die meisten Kryptowährungen. Sie basieren fast nur noch auf Gesetzmäßigkeiten des Marktes und der Psychologie. Entsprechend instabil sind die Kurse.
Noch bis zum Ersten Weltkrieg bestanden die größeren Münzen aus Gold oder Silber. Sie waren Kurantmünzen, d.h., ihr Nennwert entsprach genau ihrem Metallwert. Daraus folgte, dass eine Münze an Wert verlor, wenn sie einen Teil ihres Gewichts eingebüßt hatte – sei es durch Abnutzung oder durch absichtliche Verkleinerung. Zu schwere Münzen waren von vornherein verdächtig, denn sie konnten Blei enthalten. Bei der Einnahme größerer Geldbeträge war es daher wichtig, den genauen Wert der Münzen mithilfe einer Münzwaage zu überprüfen. Zu diesem Zweck gab es spezielle Münzwaagen mit Gewichten, die jeweils das Sollgewicht einer ganzen Reihe gängiger Gold- und Silbermünzen hatten. Abweichungen konnten durch die Zugabe kleiner Ausgleichsgewichte ermittelt werden.
In der Zeit des Herzogtums Nassau nutzte die Pfeiffersche Mühle in Diez eine solche Münzwaage. Sie stammt aus der Werkstatt des Johann Caspar Mittelstenscheid in Lennep, eines damals führenden Herstellers von Münzwaagen. Neben einer kleinen Handwaage enthält das aus Ahornholz gefertigte, innen mit einem dekorativen Etikett beklebte Waagenkästchen 22 Münzgewichte und fünf Ausgleichsgewichte. Die Waage ist eine Leihgabe von Familie Fuchs in Diez und begleitet als frühes Exponat die am 3. Oktober beginnende Sonderausstellung zur Industrialisierung und Rationalisierung in Diez.